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Beitrag von Raimund P.
Ich möchte der Bevölkerung einmal den Strafvollzug aus der Sicht eines Rechtsbrechers schildern, der zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist.
Schon während der Untersuchungshaft beginnt man zu begreifen,dass man nicht in einen goldenen Käfig - von den jeder Glanz abbröckelt - verbüsen wird müssen .
Als ich damals meine Tat begangen und anschliessend verhaftet worden bin,wurde ich nach den üblichen Verhören in die Untersuchungshaft eingeliefert.Die ersten Tage tut sich ja noch etwas und die Zeit vergeht dabei eigentlich schell,denn man wird immer wieder zu Verhören,Gutachten usw.vorgeführt.Nach ca.einer Woche sizt man dan 23 Stunden in der Zelle und wartet so auf den nächsten Tag,die nächste Woche,das nächste Monat.Ein monotoner Alltag der damals (1988.89) nur durch das lesen von Büchern und von Besuchen von den Angehörigen,Abwechslung erfahren hat.Nach einigen Monaten hatte ich das Glück,eine Arbeit zu bekommen,wodurch die Zeit natürlich schneller verging.Damals gab es weder Radios,und von einer Uhr oder einen Fernseher oder andere elektronische Geräte wagte ich nicht einmal träumen.
Nach ca. 6 Monaten war es dann soweit.Die Hauptverhandlung gegen mich begann und dauerte 3 Tage.Während dieser 3 Tage konnte ich mich des Eindruckes nicht erwehren,dass statt den Geschworenen nur Schaufensterpuppen auf den für die Geschworenen vorgesehenen Plätze saßen.Keine einzige Frage an mich,keine an die Zeugen oder die Sachverständigen .Nacjh 3 Tagen,fünf Minuten vor Mitternacht wurdfe das Urteil vom Vorsitzenden verkündigt.-Lebenslange Freiheitsstrafe - Ich war damals zu keiner Reaktion fähig.
Nun begann das große Hoffen auf die Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung gegen das Urteil.Am 14.September 1989 war es klar,mein Urteil war in Rechtskraft erwachsen,da die Nichtigkeitsbeschwertde verworfen worden war und der Berufung nicht stattgegeben worden ist.
Mitte November 1989 kam dann der große Tag,meine Überstellung in die Strafvollzugsanstalt ( heute heißt sie Justizanstalt) Stein.Nach einigen Tagen im sogenannten Zugangskeller (den alle über sich ergehen lassen müssen,die nach Stein kommen) kam ich zur Arbeitseinteilung und wurde in den Betrieb Wäscherei eingeteilt,wo ich dann mehr als 3 Jahre arbeiten sollte.Untergebracht wurde ich in der Abteilung West E, der sogenannten Sicherheitsabteilung in Stein,was mir damals noch kein Begriff gewesen ist.
Jetzt war ich also im größte Strafhaus von Österreich gelandet und kannte keinen Menschen.Siemüssen sich vorstellen,sie haben auf dem Land gelebt und kommen in die Großstadt,in der sie keinen Menschen kennen und in der man ihnen von beiden Seiten ( Justiz und Gefangenen ebenso),mit Misstrauen begegnet.Da dauert es dann schon einige Zeit,bis sie sich einigermaßen zurecht finden.Wenn sie dann 14 Tage in einen Betrieb gearbeitet haben und sich einigermaßen auskennen,dann ist jedewr Tag wie der Andere .Der graue Alltag hat sie wieder eingeholt.Jeden Tag derselbe Trott und dabei vergehen Tage,Wochen,Monate und Jahre .Das Leben wird von Geboten und Verboten diktiert und wichtige Enscheidungen können sie nicht mehr selbst treffen. Dass heißt,in der Freiheit gehen sie z.B.in ein Geschäft und kaufen sich die gewünschte Ware.Im Gefängnis müssen sie um eine Bewilligung dafür ansuchen.
Gegen Ende 1989 wurden uns die Uhren belassen und als Vergünstigung sind damals Radios bis zu öS.2000.- bewilligt worden.Besuche gab es nur einmal im Monat von den Angehörigen und da auch nur für 15 Minuten.Für alle Leute mit denen man Schreiben wollte oder von denen man besucht werden wollte mußte man um eine Bewilligung ansuchen.
Bis zum 1.1.1994 gab es noch den bei uns Gefangenen heiß geliebter Stufenvollzug.Bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe bedeutet das,7 Jahre Unterstufe.nur einmal im Monat war ein Einkauf in der Kantine gestattet,dan 7 Jahre Mittelstufe,wo man bereits alle 14 TZage einkaufen gehen konnte,was eine Erleichterung bedeutet hatte,wie sich jeder Mensch vorstellen kann.
So ab 1993 gab es die Möglichkeit,sich einen Computer zu kaufen,wenn man vorher einen Computerkurs absolviert hatte ( Schreibmaschinen gab es schon früher ).Die Bezahlung erfolgte teilweise vom Eigengeld,und der Rücklage und dem Hausgeld.Mit Zulassung der Computer konnte die Freizeit zum ersten Mal wirklich sinnvoll genutzt werden werden und die Zeit vergeht bei der Arbeit am Computer ( wie sie ja aus eigener Erfahrung wissen ) sehr schnell.Die Computer waren die erste wirkliche Erleichterung im Strafvollzug.1994 kamen dann die Fernseher,die den Alltag noch mehr erleichterten.In weiterer Folge wurden dann auch andere elektronische Geräte bewilligt.
Natürlich ist die Einführung der Fernseher,Computer und anderer eletroni8scher Geräte in den Gefängnissen der Bevölkerung durch die Berichterstattung der Medien nicht verborgen geblieben.Seit damals hält sich ja hartnäckig das Gerücht,dass es uns Gefangenen viel zu gut geht und dass wir ohnehin alles haben oder bekommen was wir wollen.
Dazu stellen sie sich bitte einmal vor,sie leben in einen Ort,wo nur Männer (oder Frauen) leben und sie dürfen diesen Ort für viele Jahre nicht verlassen.Es gibt weder Frauen/Männer für Sie und ihre Angehörigen können sie nur bei den Besuchen sehen.Sie haben zwar Arbeit,können sich aber nur erlaubte Dinge in der Kantine kaufen.Sie haben zwar einen Fernseher,einen Computer und andere Geraäte und sie können sich auch alkoholfgreies Bier kaufen.Ab 14.30 Uhr sind sie dann bis nächsten Tag 07 Uhr alleine,zu zweit oder zu dritt in einen Raum eingesperrt undkönnen sich nur auf ihren 8 m2 bewegen die sie alleine zu zweit bewohnen.Tag ein Tag aus,Woche für Woche,Monat für Monat und Jahr für Jahr der selbe Trott .Von Montag bis Freitag arbeiten sie,Küchenbetrieb natürlich jeden Tag und ab Freitag Mittag sitzen sie bis Montag in der Früh mit einer Stunde Spaziergang in ihrer " Wohnung " Ein wenig Computer arbeiten,Fersehen,lesen und schlafen.
Wenn sie das bis hierher gelesen haben und dabei ein wenig mitgedacht haben,werden sie sich wohl eingestehen,dass die Haft doch nicht so schön ist ,wie sie es sich vorgestellt haben und wie sie von den Medien dargestellt wird.
Das Argument,Strafe muss sein und wenn er nichts gemacht hätte,dann wäre er ja nicht im Gefängnis,ist natürlich vollkommen richtig,Doch darum geht es ja heute nicht,sondern darum,einmal aufzuzeigen,wie der Strafvollzug wirklich ist.Wenn sie Interesse am Thema Strafvollzug haben,dann können sie auf dieser Homepage weitere Folgen darüber lesen.Ich bin auch gerne bereit,an mich gerichtete Fragen zu beantworten und werde bei meinen Artikeln und bei meiner Beantwortung der an mich gerichteten Fragen versuchen,so objektiv wie möglich zu bleiben.
Raimund P.
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